Saigon
alias Ho Chi Minh
Was
mich in Saigon, dem heutigen Ho Chi Minh, der größten
Stadt Vietnams, erwartet hat, lässt sich mit Worten
kaum beschreiben. Aber zuerst ein paar Eckdaten.

Es
ist eine der schnellst wachsenden Boomstädte der Welt
mit 7,1 Millionen Einwohnern im gesamten Verwaltungsgebiet
und einer Gesamtfläche von 2.095 km² .

Benannt wurde sie nach Ho Chi Minh, welcher im September
1945 die Demokratische Republik Vietnam proklamierte
und nach der Teilung des Landes, in Folge des Indochinakrieges,
1954 Präsident des Landes wurde.

Die Stadt liegt ca. 40 km entfernt vom südchinesischen
Meer (Ostmeer) und hat eine Ausdehnung von 120 km Nord/Süd
und 46 km Ost/West. Es gibt kein Schienennetz, jedoch werden
zwei U-Bahnlinien (21km lang) für 800 Mio US-$ gebaut,
welche bis zum Jahr 2014 in Betrieb genommen werden sollen.

Mit
einer Fläche von 332.000 km² und ca. 85 Millionen
Einwohnern ähnelt dieses Land dem der Deutschen sehr.
Das
BIP pro Bewohner liegt bei ca. 2.784 US-$ und somit gliedert
sich Vietnam auf der BIP/Bewohner-Rangliste bei Rang 129
ein. Deutschland belegt mit ca. 44.660 US-$ den 19. Platz.
Im Durchschnitt hat ein Bewohner des Landes, welches im
Norden von China, im Nordwesten von Lao, im Südwesten
von Kambodscha und im Osten vom Südchinesichen Meer
begrenzt wird, nicht mehr als 3 m² Wohnfläche
zur Verfügung.
Vor
allem in Saigon, einer Metropole deren Boomfaktor ins unermessliche
schnellt, herrscht eine Knappheit an Wohnraum. Mietwohnungen
zu finden ist fast aussichtslos, da die meisten Mieträume
auf "Lebenszeit" an verdienstvolle Funktionäre
oder Veteranen vergeben sind. Es besteht die Möglichkeit
sich Wohnraum zu kaufen. Bei einem Preis pro m² von
1000 bis 1500 US-$ ist es für die meisten Menschen
des Landes unmöglich stolzer Eigenheimbesitzer zu werden.
Im Durchschnitt verdient die Bevölkerung Saigons 2.180
US-$ im Jahr, die Leute im restlichen Vietnam müssen
im Durchschnitt mit 730 US-$ im Jahr zurecht kommen.

Kann
man sich keine Mietwohnung leisten, bastelt man sich eben
ein Zuhause. In der Region von Saigon sieht man sehr häufig
Wohnräume in Form von Blech- oder Holzhütten auf
Stelzen, dicht am Wasser stehend. 5000 km Wasserstraßen
weist das Land auf und häufig kommt man nur mit einem
Wasserfahrzeug zu seinem Zuhause. Für Westeuropäer
ist diese Art zu wohnen wohl völlig undenkbar. Interessant
finde ich die Tatsache, dass mir auch hier die Menschen
stets mit einem Lächeln gegenüber treten.

In
Saigon fährt längst keiner mehr Fahrrad, wie man
es aus dem Fernsehen vergangener Jahre vielleicht kennt.
Es sei denn man kann sich kein motorisiertes Gefährt,
zumeist ein Motorroller, leisten oder aber man ist als westeuropäischer
Fahrradgast unterwegs und ein bisschen Lebensmüde.


Nach
den ersten 5 km Fahrstrecke durch die zweitgrößte
Stadt Vietnams haben wir es den Einwohnern Ho Chi Minh´s
nachgemacht und unsere Lungen etwas gutes getan.

Vietnam
hat ein Straßennetz mit einer Länge von 210.000
km, wovon nur 13,5 % in einem guten Zustand und 29% asphaltiert
sind.
Fast
jeder ist mit dem Roller untergwegs, Verkehrsregeln scheint
es nicht zu geben, zumindest hält sich keiner an die
von uns bekannten Verkehrsweisungen. Ich habe immer gedacht
dass auf italienischen Straßen ein geordnetes Chaos
herrscht. Was mir jedoch hier in Saigon von den Verkerhsteilnehmern
gezeigt wurde lässt mich meine Sichtweite neu sortieren.
Man fährt wie man möchte, sei es gegen den Strom,
auf dem Bürgersteig oder laufenderweise auf dicht befahrener
Straße. Das Hupen gehört zum guten Ton, aber
NICHTS passiert. Nie hörte ich Sirenen der Polizei
oder eines Krankenwagens. Und auch die Menschen blieben
ruhig, auch wenn der Verkehr zum Zusammenbrechen schien.


Es
gibt jedoch auch ruhigere Ecken in Saigon, wenn zwar nicht
Menschenleer, so jedoch gedämpfter was das Aufkommen
an Rollern angeht. Es gibt unzählige Straßenmärkte,
auf denen die Ware direkt auf dem Boden, vom Roller oder
am Verkaufsstand angepreist wird. Frisches (wie man es nimmt)
Fleisch, sei es nun Huhn, Hund, Affe oder Gürteltier,
aber auch Fisch, genau wie Obst und Gemüse wird den
Leuten zum Verkauf angeboten.










65%
der Bevölkerung arbeitet auf dem Feld. Das Klima ist
unten im Süden tropisch, sodass man 3 mal im Jahr Reis
ernten kann.
Wichtigster Industriezweig ist die Herstellung von Textilien
und Schuhen, welches sich auf den vielen Straßenmärkten
wieder spiegelt. Als Zahlungsmittel wird der Dong eingesetzt.
1
Euro entsprechen ca. 27.000 Dong.
Die Hauptregenzeit ist von Mai bis Oktober. 10% der vietnamesischen
Dörfer sind jährlich wegen unpassierbarer Straßen
mehr als einen Monat von der Außenwelt abgeschnitten.
Aber auch nach der Regenzeit können Straßen durch
sinnflutartige Regengüsse binnen Minuten überschwemmt
sein. Man lebt damit, und wir auch!





Kinder
haben einen hohen Stellenwert in der Familie. Sie sind "Rente"
und Lebensglück zugleich. Es besteht keine Schulpflicht,
dennoch sind 92% der Kinder eingeschult, aber nur 2/3 absolvierten
die fünf Grundschuljahre. Zu hohe Kosten für Uniform,
Bücher, Schulgeld oder der Bedarf der Arbeitskraft
um die Familie zu nähren sind die Hauptgründe
für den frühen Schulabgang.






Das
Land, welches im Vietnamkrieg von 1965 bis 1973 mit 40 Millionen
Litern „Agent Orange“ (dioxinhaltiges Herbizid)
und 7,5 Millionen Tonnen Bomben von der damaligen US-Regierung
überschüttet wurde und noch heute unter den Spätfolgen,
wie kontaminiertes Gebiet, Krebskranken, der Chlorakne,
Missbildungen, Totengeburten, Blindgängern und Minen,
zu kämpfen hat, trägt ein Lächeln auf den
Lippen, dem ich persönlich höchsten Respekt zolle.
Mir
ist die Möglichkeit gegeben die Gegend in und um Saigon
zu entdecken und ich nehme diese Chance war, um die vielen
Eindrücke den Nichtreisenden kund zu tun.