Was
mir da genau in den Sinn gekommen ist weiß ich
zwar nicht, aber es hat sich gelohnt. Den Ätna
kennt sicher jeder, ob nun aus Dokumentationen, Nachrichten
oder in natura. Er ist das Wahrzeichen der größten
Insel des Mittelmeeres, Siziliens und misst eine Höhe
von circa 3.300 Metern.

Ganz
genau vermag ich das nicht zu sagen, da der Ätna/Etna
seine Form, bedingt durch erneute Ausbrüche und
Erdverschiebungen, stetig verändert. Auf circa
1.900 Metern befindet sich eine Seilbahnstation, welche
man nutzen kann, um sich auf eine Höhe von 2.500
Metern transportieren zu lassen. So hoch hinaus wollte
ich mit meinen Gästen nicht. Unser Ziel war die
Seilbahnstation.
Um
09.30 Uhr traf ich mich mit meinen 5 Wegbegleitern
im Hafen von Catania, der schwarzen Tochter des Ätnas,
wie die zweitgrößte Stadt auf der Insel
heißt. Es war für mich der erste Trip bis
hoch hinauf auf den Ätna. Zwar bin ich vor Jahren
an den Hängen des Ätnas, auf einer Höhe
von 650 Metern, mit dem Bike entlang geradelt, wollte
jedoch heute den Hauch des aktivsten Vulkan Europas
spüren.


Raus
aus dem geordneten Chaos, wie es liebevoll die Einwohner
Catanias nennen, in dem rote Ampeln nur Empfehlungen
sind und Zebrastreifen lediglich den Asphalt zieren,
sahen wir ihn schon bald vor unseren Augen. Noch waren
wir frohen Mutes, unsere Energietanks noch voll gefüllt
und unsere Brust geschwellt vom Optimismus. Der Anblick
des Montjebello, so wird der Berg von den Einheimischen
genannt, zog uns in seinen Bann und wir waren gefesselt,
wie auch begeistern von seiner Anmut.

Ein
letzter Blick zurück auf unser schwimmendes Zuhause,
welches nun bereits 13km hinter uns lag. Ein erster
und einziger technischer Stopp war angesagt und Martin,
mein Arbeitskollege hatte noch gut lachen und hob
die Daumen voller Freude nach oben. Hätte er
gewusst, welches Leiden auf ihn zukommt, er hätte
sich den Genuss des Alkohols in der Nacht zuvor erspart.

Schon
bald musster er sich fremder Hilfe bedienen. Dies
war jedoch noch nicht das Ende vom Lied.


Die
Daumen noch nach oben gerichten, den Leib jedoch schon
dichter dem Boden geneigt, zeigen sich weitere Schwächerscheinungen.

Der
Bewuchs der Natur wurde spärlicher, die ersten
kleinen Krater und Kegel wurden sichtbar


und
die Luft wurde diesiger und dünner, was wohl
auch für andere Gestalten galt.



Mitterweile hatten wir eine erachtliche Höhe
von 1.240 Metern erreicht und hinter uns lagen 41.2
km Wegstrecke.

Bis zu unserem Ziel sollten es nun noch rund 7 km
sein und alles sah noch ganz blumig aus.

Dann
kam die schwärzeste Stunde von Martin, ein Augenblick
den sich kein Biking Guide wünscht. "Aufgabe",
und das bei einer solch einmaligen Tour.



Um den körperlichen Ausfall von Martin zu entschuldigen
sei an dieser Stelle gesagt, dass er sich die Nacht
vor der Tour die halbe Seele aus seinem Leib erbrochen
hat und ihm dadurch wichtige Mineralien, Salze und
vor allem Flüssigkeit fehlten. Dies alles geschah
auf einer Höhe von ungefähr 1.300 Metern.
Der Gipfel des Ätnas war immer noch zu sehen
und wir wussten nicht, welche Arten von Steigungen
auf uns warteten.


.


Mit
einem Mal änderte Sich die landschaftliche Umgebung
und auch die Sauerstoffverhältnisse in der Luft
merklich. Das Atmen viel mir schwerer und ich merkte
wie sich der Energiezustand meines Leistungsakkus
rapide reduzierte.














Dann
war es auch für mich soweit. Der Moment war gekommen
in dem mich der Ätna in die Knie, besser ausgedrückt,
auf den Boden zwang. Ich war mit meinen Kräften,
mit einem niedrigen Sauerstoffgehalt im Blut, am Ende.
Wie ein Käfer am Boden liegend versuchte ich
zu Kräften zu kommen, rappte mich noch einmal
auf, um mich aufs Rad zu begeben, musste jedoch feststellen,
dass der Wille, die Kraft des Vulkan stärker
war, als diemeinige.

Fünf
Wegbegleiter waren es zum Anfang. Ein Guide musste
als erstes dem Willen des Ätnas weichen. Zwei
weitere Radfreunde hatten auf einer Höhe von
1.500 Metern bzw. 1.600 Metern aufgeben müssen.
Die restlichen beiden Kämpfer ließen mich
nach 48.1 km Wegstrecke und gefahrenen 1.755 Höhenmetern
zurück und traten die letzten 1,5 Kilometer Strecke,
zur Seilbahnstation an, welche sie auch voller Freude
erreichten.

Nun
folgte der Abstieg, welcher nicht ganz ohne war, da
wir alle mehr als ausgelaugt waren, die Temperaturen
oben auf dem Etna alles andere als sommerlich warm
waren und wir lediglich Kekse und Cola zum Verzehr
hatten, welche unsere beiden Helden vom "Gipfel"
mitbrachten. Nach und nach wurden alle Helden wieder
aufgesammelt und man war stolz den höchsten und
aktivsten Vulkan Europas teils bezwungen zu haben.






83,2
km und 1.877 Gesamthöhenmeter absolvierten 5
von 1.200 Menschen der AIDAcara am 06.Oktober 2009.

Catania
Catania
ist die zweitgrößte Stadt Siziliens und
Hauptstadt der Provinz Catania in Italien.
Catania
liegt an der Ostküste Siziliens am Fuße
des ca. 30 km entfernten Ätna, des größten
und aktivsten Vulkans Europas.
Catania wurde im 8. Jahrhundert v.Chr. von griechischen
Siedlern aus Naxos gegründet. Ab 1071 begann
man mit dem Bau der Kathedrale und es entstanden weitere
Siedlungen um Catania. Die Stadt wurde 1669 und 1693
zu großen Teilen von Erdbeben und von Lavaströmen
zerstört, die damals bis zum Meer vordrangen.
Nach der Zerstörung 1693 wurde die Stadt in dem
heute noch im Stadtbild ersichtlichen barocken Baustil
wieder aufgebaut. Im 19. Jahrhundert wurde Catania
Provinzhauptstadt der gleichnamigen Provinz.
Auf Sizilien heißt die Mafia „COSA NOSTRA“
(unsere Angelegenheit)
C a. 300 Menschen sterben jährlich durch Killerkommandos
der „Ehrenwerten Gesellschaft“ („Lonorata
Societa“)
L aut italienischen Medienberichten zahlen 70 Prozent
aller Unternehmer und Geschäftsleute auf Sizilien
Schutzgeld (das sogenannte Pizzo).
Allein auf Sizilien bringt das Schutzgeld der Mafia
jährlich sieben Milliarden Euro, in Italien landesweit
durch Schutzgeld und Erpressung 14 Milliarden ein
Selbst kleine Ladenbesitzer zahlen demnach 500 bis
1.000 Euro pro Quartal, bessere Geschäfte wie
etwa Juweliere müssen 3.000 Euro abgeben, große
Läden 5.000 Euro.
Ausgenommen sind Geschäftsleute, die Verwandte
im Gefängnis haben, einen Trauerfall in der Familie
zu beklagen oder einen Polizeibeamten oder Carabiniere
unter den Verwandten haben.
Auf
Sizilien leben 25.000 Fischer und fangen 20% der Gesamtausbeute
Italiens. In Catania ist der schönste Fischmarkt
Europas zu bewundern, welcher täglich unzählige
bunte, große & kleine Meerestiere zur Schau
stellt.


